Mit der Strickarbeit ins Kino: «Die wilden Maschen» veranstalten erstes Strickkino in St.Gallen

Gemütlich einen Film schauen und dabei den nächsten Schal stricken – bald geht das nicht mehr nur zu Hause auf dem Sofa, sondern auch im Kino. Dahinter stecken Anouk Widmer und Carmen Frei, Gründerinnen vom Strickklub «Die wilden Maschen».

Text: Jessy Nzuki. Dieser Beitrag ist am 29.1.2026 erschienen.

In den Kleiderschränken von Carmen Frei (links) und Anouk Widmer hängen viele selbstgemachte Stücke – auch die Schals und Pullis, die sie hier tragen, sind handgestrickt. (Bild: Jessy Nzuki)

Die Stricknadeln klappern, das Licht ist gedimmt und die Leinwand flimmert. So läuft es im Strickkino. Gemütlich ins Kino und dabei am Pullover oder Schal weiterarbeiten. Der Trend kommt aus Skandinavien. Die strick-affinen Skandinavierinnen und Skandinavier frönen seit mehr als einem Jahrzehnt dem Strickkino. Mittlerweile gibt es das Angebot unter anderem auch in Zürich, Basel und Heiden. Nun wird der Stricktreff der besonderen Art auch in St.Gallen Einzug halten. Dahinter stehen Anouk Widmer und Carmen Frei. Sie haben den Strickklub «Die wilden Maschen» gegründet.

Die Liebe für das Hobby ist ihnen anzusehen. Mit selbstgemachten Pullovern und Schals sitzen sie am Tisch. Sie sprechen über Projekte und die besten Orte zum Stricken. Begonnen hat die Leidenschaft der beiden 21-Jährigen vor drei Jahren. «Es ist einfach ein toller Ausgleich», sagt Frei. Beide sind in St.Gallen aufgewachsen. Frei macht eine Ausbildung zur Logopädin, Widmer studiert Recht und Politik. Das Stricken sei entschleunigend, sagt Frei.

Die „Lismete“ kommt überall mit – auch auf die Preikestolen in Norwegen. (Bild: zvg)

Eine gemütliche Zeit zusammen

Ihr liebster Ort zum Stricken? Das klinge vielleicht kitschig, sagt Frei und beide schmunzeln. «Am liebsten ein Strick-Date mit Anouk. Wir plaudern und stricken. Wenn wir das zusammen machen, ist der Ort eigentlich egal.»

Das Hobby eigne sich perfekt dafür, sich auszutauschen, gemeinsam Zeit zu verbringen und dabei etwas mit den Händen zu machen. Diese Gemeinschaft möchten sie nun weitergeben. Dafür organisieren sie ihren ersten Stricktreff. Am Samstag, ab 14 Uhr, treffen sich Strickfans im Mucafé, dem Lokal des Kulturmuseums St.Gallen.

Alle sollen sich willkommen fühlen, ob Strickprofi oder Neuling. Schön sei ja besonders, wenn man sich gegenseitig weiterhelfen könne, sagt Frei.

Kein Oma-Hobby mehr

Den altbackenen Ruf, den das Stricken lange mit sich getragen hatte, widerlegen die beiden. Besonders durch die sozialen Medien hat ein jüngeres Publikum zum Hobby gefunden. Das zeigt sich auch im Basler Wollladen, wo Widmer neben ihrem Studium arbeitet. Zur Kundschaft zählen mehr junge Leute als ältere.

Dass Stricken auf den sozialen Medien an Beliebtheit gewonnen hat, wird deutlich an den vielen Trends und Hashtags. Auch Strickmuster wie den «Sophie Scarf» – ein kleines, dreieckiges Halstuch – haben Strickfans tausendfach geteilt. Carmen Frei hat selbst einige Exemplare Zuhause.

Diese bunte Auswahl an «Sophie Scarfs» hat Carmen Frei gestrickt. (Bild: zvg)

«Die Strick-Community ist natürlich eine Bubble», sagt sie. Doch es gebe viele Influencer, die mit ihren Strickmustern bekannt wurden. Seit vergangenem Jahr sind auch die beiden St.Gallerinnen Teil der Online-Community. Unter dem Namen «die_wilden_maschen» veröffentlichen sie Beiträge auf Instagram. Damit haben sie angefangen, um sich zu vernetzen und den Strickklub zu bewerben.

«Die Strick-Community ist natürlich eine Bubble», sagt sie. Doch es gebe viele Influencer, die mit ihren Strickmustern bekannt wurden. Seit vergangenem Jahr sind auch die beiden St.Gallerinnen Teil der Online-Community. Unter dem Namen «die_wilden_maschen» veröffentlichen sie Beiträge auf Instagram. Damit haben sie angefangen, um sich zu vernetzen und den Strickklub zu bewerben.

Zum ersten Mal im Kino gestrickt hat Widmer in Basel. Die Erfahrung gefiel ihr und die beiden fanden es schade, dass es so etwas in St.Gallen nicht gab. Nun stellen sie den Anlass selbst auf die Beine. Das erste Strickkino findet am 10. März in der Grabenhalle statt. Einlass und gemeinsames Stricken beginnt um 18 Uhr, der Film um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet zwölf Franken. Gezeigt wird «Die Göttliche Ordnung».

«Wir haben lange überlegt, was wir zeigen möchten», sagt Widmer. Etwas Lustiges, etwas Gemütliches, eine Liebesgeschichte? Für die beiden Strickerinnen sei der Film thematisch passend – einerseits spielt er in der Ostschweiz, andererseits stellt er Frauenrechte in den Fokus. Und auch gestrickt wird im Film. Für ein gelungenes Strickkino sei es wichtig, dass der Film für viele etwas biete, sagt Frei. Und nicht zu viel Action sollte er haben. Besucherinnen und Besucher sollten sich noch aufs Stricken konzentrieren können und keine Maschen verlieren.

Stricken als politischer Aktivismus

Die Thematik der Frauenrechte ist für Widmer und Frei mit dem Stricken verknüpft. Beide stimmen zu: «Stricken ist politisch.» Schnell können sie Beispiele dafür nennen. Eine rote Mütze als Zeichen des Widerstandes oder Strickaktionen wie «stitches against violence» (Maschen gegen Gewalt), die kürzlich geschah. Die Idee ist, dass in der Öffentlichkeit, vor allem in Bussen und Zügen, gestrickt und gehäkelt wird, um ein Zeichen gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt zu setzen. Zur Erkennung tragen Teilnehmende etwas Rotes.

Ob politisch motiviert oder einfach als Hobby – zum Stricken laden Widmer und Frei alle ein. Wer möchte gar zu einem Ostschweizer Kinohit.

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