Seit dem 15. Dezember fährt Bus 150 durch das Büel-Quartier in Gossau bis zum Industriegebiet Eichen. Hat der neue Bus Anklang gefunden? Ein Augenschein wenige Tage nach Start.
Text und Bild: Jessy Nzuki. Dieser Text ist am 31.12.2025 erschienen.

Die neue Buslinie 150 fährt zweimal pro Stunde.
«Wir begrüssen Sie im Bus 150 nach Gossau, Eichen und wünschen Ihnen eine gute Fahrt!» Diese Durchsage ist noch nicht lange zu hören. Denn sie gehört zum neuen Gossauer Quartierbus. Seit dem 15. Dezember gibt es die Buslinie 150, die durch das Büel-Quartier zum Industriegebiet Eichen führt.
Wenige Tage nach Einführung des Busses stellt sich die Frage: wird er denn auch gebraucht? Es ist Montagnachmittag, ein kalter, grauer Dezembertag. Am Gossauer Bahnhof warten nur wenige Pendlerinnen und Pendler.
14.30 Uhr: Der Bus fährt los. Zwei Fahrgäste sitzen auf den Regiobus-Polstern.
Der Chauffeur manövriert den Bus um die Mittelinsel, um dann die Stadtbühlstrasse hochzufahren. Von dort führt der Weg über die Herisauerstrasse in die Bedastrasse. Dann kurvt der Bus durchs Quartier – über die Büel-, die Flawiler- und schliesslich die Wilerstrasse. Nach acht Minuten ist die Endhaltestelle Eichen erreicht. Drei neue Haltestellen bedient diese Buslinie: Fischergüetli, Niederdorf und Isenringstrasse.
Weniger zu Fuss gehen
Vereinzelt sind Fahrgäste dazugestiegen, andere sind ausgestiegen. Reger Betrieb herrscht im kleinen Bus nicht. Doch die, die mitfahren, freuen sich. «Ich finde den Bus einfach super», sagt Lucie Hasler. Die Seniorin wohnt im Isenring-Quartier und zu Fuss sei der Weg zum Bahnhof recht weit. Gut 20 Minuten sei sie unterwegs. Der Bus sei praktisch, um eine Anschlussverbindung in die Stadt zu nehmen oder einfach einkaufen zu gehen.
Auch für den Weg zur Schule sei der Bus geeignet, meint Familie Halter. Sohn Damian geht im Buechenwald zur Schule und geniesst die Möglichkeit, bei Regen oder Schnee im warmen Bus sitzen zu können, statt in die Pedale treten zu müssen.
Praktisch findet den Bus auch Markus Schweizer. Der 82-Jährige wohnt zwischen der Gerenstrasse und der Isenringstrasse. Bisher habe er das Postauto 727, welches an der Gerenstrasse hält, genutzt. Mit dem Quartierbus hat er nun mehr Möglichkeiten. Jede Viertelstunde bringt ihn der ÖV zum Bahnhof.
Umsteigen ist einfacher
Für viele Fahrgäste sind die möglichen Anschlussverbindungen ein Grund zur Freude. Die Regionalzüge würden sie so gut nutzen können. Für die Schnellzüge nach St.Gallen oder Zürich bleibt Pendlerinnen und Pendlern eine Viertelstunde Zeit, um umzusteigen. Für die einen zu lange, andere meinen, das sei ideal für ältere Leute, die nicht mehr so gut zu Fuss unterwegs sind. Zuvor sei das mit dem Postauto 727, mit zwei Minuten Zeit zum Umsteigen, sehr knapp gewesen.
Nicht nur den Passagieren gefällt der neue Bus, auch Busfahrer Agim Salihi mag ihn. Im Vergleich mit längeren und beliebteren Linien wie dem Bus 151 nach St.Gallen sei die kurze Quartierbus-Strecke natürlich etwas ganz Anderes, doch diese Abwechslung sei schön.
Fast nichts zu bemängeln
Verbesserungsvorschläge von den Fahrgästen gibt es kaum. Einzig mehr Haltestellen waren ein Thema. Zwei Schülerinnen der Maitlisek würden sich über eine Haltestelle in der Nähe ihrer Schule freuen. Eine Pendlerin fände einen Stopp an der Haltestelle Poststrasse ideal, um auf den Bus 151 nach St.Gallen umzusteigen. Und nicht zuletzt: eine Haltestelle an der Bedastrasse.
Ob die Haltestelle Bedastrasse doch noch Teil der definitiven Busstrecke wird, ist gemäss Huber noch offen und unter anderem abhängig von den Ergebnissen der Testphase. Bisher schätzt Huber den Quartierbus positiv ein. Für eine Auswertung sei es noch zu früh, doch der Betrieb habe gut gestartet.
Stadtparlament hat knapp zugestimmt
Der Bus 150 fährt von Montag bis Samstag im Halbstundentakt. Weil im Eichen das Postauto 727 um 15 Minuten versetzt zum Quartierbus fährt, können Pendlerinnen und Pendler jede Viertelstunde wegfahren.
Vorerst ist der neue Quartierbus als Testbetrieb für drei Jahre geplant. Die neuen Haltestellen sind daher provisorisch und kosteten 42’000 Franken. Die definitiven Haltestellen würden Baukosten von 270’000 Franken mit sich bringen.
2019 hat das Parlament dem Stadtrat den Auftrag gegeben, eine neue Buslinie zu realisieren. Fünf Jahre später, im vergangenen Juli, hat das Stadtparlament die Vorlage zum Buskonzept beraten. Streitpunkte waren die Kosten sowie die Notwendigkeit dieser Buslinie.
Letztlich hat das Parlament die Vorlage angenommen und mit 16 zu 13 Stimmen einen Kredit von 462’000 Franken für den dreijährigen Testbetrieb genehmigt. Die befragten Passagiere sind sich einig: Sie hoffen, dass der Bus bleibt.