Gleiche Isolation wie in Crans-Montana: Das Kraftwerk Krummenau investiert in den Brandschutz

Der Toggenburger Club wendete vergangenen Sommer die Schliessung ab. Nun stellt der Brandschutz die neuen Betreibenden vor finanzielle Herausforderungen. Doch es gibt grosse Pläne.

Text: Jessy Nzuki. Dieser Beitrag ist am 11.2.2026 im Toggenburger Tagblatt erschienen.

Wegen Brandschutzauflagen muss der Verein Teile der Dekoration ersetzen. Bild: zvg

Der Club Kraftwerk braucht Geld. «Wir stehen vor grossen Hürden, aber auch dem sind wir gewachsen», sagt Marcell Vasquez, Präsident des Vereins Backstage, welcher das Kraftwerk führt. Auf der Crowdfunding-Plattform Gofundme hat der Verein eine Spendenaktion gestartet. Grund dafür sind Brandschutzmassnahmen, die verbessert werden müssen.

Vasquez ist nicht nur Präsident des neuen Vereins, auch hat er sechs Jahre beim vorherigen Betreiberverein Kraftwerkclub mitgewirkt. Wie der 27-Jährige erklärt, gelten für das Partylokal strenge Brandschutzmassnahmen. Zusätzlich kontrolliert die Gebäudeversicherung einmal pro Jahr die Räumlichkeiten, weil sich das Lokal auf einem Industriegelände befindet. Dazu gehört eine Brandschutzkontrolle.

Dabei werde jeweils geschaut, wie der Stand der Technik sei, ob es veraltete Schutzmassnahmen gebe und Ähnliches. «Wir sind Laien», sagt Vasquez – gerade in Bezug auf den Brandschutz. Bei der neuesten Kontrolle im September seien einige Mängel ans Licht gekommen. Diese stammen teilweise auch von den vorherigen Betreibenden. Aufgefallen sei etwa, dass die Holzwände der Dekorationen leicht brennbar seien.

Marcell Vasquez (links) ist Präsident des Vereins Backstage. Bild: zvg

Nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana während der Silvesternacht haben die Veranstalter zusätzlich aus eigener Motivation ihre Sicherheitsvorkehrungen überdacht. Sie hätten festgestellt, dass sie im Kraftwerk die gleichen Schaumstoffisolationen an der Decke hatten wie die Bar in Crans-Montana. Deshalb haben sie diese entfernt. Dies sei im Kontrollbericht der Gebäudeversicherung nicht bemängelt worden, doch Vasquez sagt: «Das sahen wir als unsere Verantwortung.»

Brandschutz kostet 12’000 Franken

Bei der Spendenaktion gehe es darum, dass sie die Punkte des Kontrollberichts abarbeiten könnten, sagt Vasquez weiter. Das seien bautechnische Dinge, wie neue Wände für die Partyeinrichtung, aber auch Sicherheitsschulungen für alle 23 Vereinsmitglieder.

Die Vereinsmitglieder mussten entscheiden, wie viel sie selbst investieren können und inwiefern sie auf Hilfe angewiesen sind. Um die Anforderungen der Kontrolle zu erfüllen, benötigt der Verein etwa 12’000 Franken. «Wenn wir etwa die Hälfte bekommen, wäre uns schon sehr gedient», sagt Vasquez. Nach Geld zu fragen, sei immer schwierig. Denn die Leute würden ja den Verein schon unterstützen, indem sie die Anlässe besuchen. «Wir mussten abschätzen, was realistisch ist.» Die Kulturschaffenden haben sich daher entschieden, 5400 Franken als Ziel der Spendenaktion zu setzen. Den Rest werde der Verein aus der eigenen Kasse decken.

Der Aufruf hat am 12. Januar gestartet, mittlerweile sind 2855 Franken zusammengekommen – gut die Hälfte des Ziels. «Wir haben nie mit so viel Geld gerechnet», sagt der Vereinspräsident. Dies, weil der Verein Backstage noch recht neu sei und das Lokal im vergangenen Jahr in der Übergangsphase zeitweise schliessen musste. Die bisher gesammelten Spenden würden die Mitglieder motivieren, das grosse Projekt anzugehen und die neuen Anforderungen an den Brandschutz bis zur Frist Ende Monat umzusetzen. Das Crowdfunding läuft noch, bis das Spendenziel erreicht ist.

Neustart als Funkloch

Gegründet wurde das Partylokal 1993. Damals noch unter dem Namen «Mamut», eine Abkürzung von «Manchmal Musik im Toggenburg». Sechs Jahre später zügelte das Lokal ins Kraftwerk und änderte den Namen zu ebendiesem. Bis im Sommer 2025 hat der gleichnamige Verein das Lokal betrieben.

Dann kam die Ankündigung: Der Verein löst sich im Juli 2025 auf. Das Toggenburger Tagblatt berichtete. Gründe waren fehlende finanzielle Mittel sowie zu wenige Mitglieder und helfende Hände. Doch ein neuer Verein stand in den Startlöchern: Backstage.

Für den Club Kraftwerk planen Vasquez und sein Team parallel zur Brandschutzertüchtigung einen grossen Neustart. «Es wäre falsch, einfach den Charakter des Kraftwerks zu ändern.» Der Verein arbeite nun daran, sein eigenes Ding zu machen.

Unter dem Label «Campus» schmeisst der Verein Partys für 16- bis 20-Jährige. Bild: zvg

Um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen, plant der Verein verschiedene Labels. Eines davon besteht schon. Unter dem Namen «Campus» wurden vergangene Saison Partys für 16- bis 20-Jährige veranstaltet. Bis Ende Jahr sollen, gemäss Vasquez, fünf weitere Richtungen dazu kommen: für 18+, Ü30, Techno und Kulturanlässe.

Nicht zuletzt soll der Club in naher Zukunft einen neuen Namen erhalten: Funkloch. Passend dazu eine Antenne als neues Logo. «Wir wollen Kultur aufnehmen und ausstrahlen – eben wie eine Funkantenne.» Vasquez betont, dass das Lokal auf die Gemeinschaft bedacht ist. Gäste dürfen sich einbringen, Feedback geben, das Programm und die Deko mitgestalten.

Und bisher strahlte die Party-Antenne weit: Laut Vasquez waren an der letzten Veranstaltung 380 Leute mit dabei, 270 davon kamen von hinter dem Ricken. Trotz Hürden sind die neuen Verantwortlichen also motiviert, mit dem (noch) Kraftwerk durchzustarten.

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