Die Stadt Wil sichert die Zufahrtstrassen des Fastnachtsumzuges mit Bodenplatten und massiven Säulen. Wie die Sicherheitsmassnahmen an vergleichbar grossen Umzügen aussehen, berichten Verantwortliche der Lenggenwiler und Sirnacher Fasnacht.
Text: Jessy Nzuki. Dieser Beitrag ist ursprünglich am 5.2.2026 in der Wiler Zeitung erschienen.

Jeder Wagen muss am Lenggenwiler Umzug einen Feuerlöscher mitführen. Bild: Zita Meienhofer (23.2.2025)
Sie säumen Grossveranstaltungen wie Weihnachts- und Jahrmärkte: Anti-Terror-Sperren. Vor dem Maimarkt 2025 hat die Stadtpolizei den Wiler Stadtrat dazu aufgefordert, Massnahmen für den Zufahrtsschutz zu treffen. Nun beschafft die Stadt Wil Barriereelemente, wie die Wiler Zeitung berichtete . Für den Fastnachtsumzug am Sonntag, 15. Februar, mietet die Stadt 36 Sperren. Damit werden alle Zufahrtswege zur Umzugsroute und zum Bleicheplatz gesichert. In der Region gibt es aber noch andere Fasnachtshochburgen ausser Wil. Sind diese Massnahmen auch in Sirnach und Lenggenwil nötig?
Gemessen an der Besucheranzahl sind die Fasnachtsumzüge vergleichbar. In Wil nahmen vergangenes Jahr 20’000 Besucherinnen und Besucher teil. In Sirnach erwartet der Verein zwischen 16’000 und 18’000 Personen im Publikum. Die Lenggenwiler Fasnächtler hoffen auf 15’000 Feiernde.
Der Fasnachtsumzug in Lenggenwil findet diesen Sonntag statt. Severin Löhrer, Präsident des Fasnachtsvereins, steckt mitten in den Vorbereitungen. Das Sicherheitskonzept sei in Absprache mit der Gemeinde ausgearbeitet worden. Darin seien viele Aspekte geregelt: die Umleitung des Verkehrs, Zufahrtsstrassen für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, Standort des Helikopterlandeplatzes. Auch wer im Notfall als Ansprechperson fungiert oder wohin Besucherinnen und Besucher evakuiert werden würden, gehört dazu.

Auch der Verkehr muss in einem Konzept geregelt sein, damit die Musikanten die Strassen übernehmen können. Bild: Zita Meienhofer (23.2.2025)
Vor zwei Jahren hat der Verein das Verkehrskonzept überarbeitet und neu aufgesetzt, weil der Besucherandrang stark zugenommen hat. Dabei haben, gemäss Löhrer, die Verkehrspolizei, ein Verantwortlicher des Postauto-Betriebs, Gemeinde und Kanton mitgearbeitet. Für den diesjährigen Umzug seien keine Neuerungen nötig.
Sicherheit an den Maskenbällen In Lenggenwil findet der Clownball am Freitag und der Lenggiball am Samstag statt. «Wir sind alles Punkt für Punkt durchgegangen, um sicherzugehen, dass es funktioniert», sagt Fasnachtspräsident Severin Löhrer. Die Gemeinde habe – nicht spezifisch für die Maskenbälle – die Notausgangsschilder kontrolliert und an manchen Orten nachgerüstet. Die Fasnächtler haben ihre drei Zelte überprüft, um sicherzustellen, dass beispielsweise die Öl-Heizung genügend Abstand zu den Zeltwänden hat und die Anzahl sowie Breite der Notausgänge für das Maximum an zugelassenen Gästen stimmt. Zudem zeigen sie allen Helferinnen und Helfern, wie ein Feuerlöscher zu handhaben ist. «Viele sind jung und hatten vielleicht noch nie einen Feuerlöscher in der Hand», so Löhrer.
«Strassensperren sind kein Thema», sagt Löhrer, «denn es sind ohnehin schon alle Strassen abgesperrt.» Die Zufahrtsstrassen sperren sie mit Metallgittern ab. Zudem kommen an all diesen Punkten Verkehrskadetten zum Einsatz.

Vereinspräsident Severin Löhrer mit seinen zwei älteren Töchtern. Bild: zvg
36 Seiten für die Sicherheit
Auch in Sirnach sorgen Metallgitter und Verkehrskadetten für die Sicherheit an den Zufahrtsstrassen. Der Sirnacher Umzug findet am Samstag, 14. Februar, statt. Die Situation in dieser Fasnachtshochburg ist die gleiche: Für die Sirnacher Fasnächtler seien Barriereelemente kein Thema, sagt Joy Kayser, Vereinspräsidentin.

Joy Kaiser ist Vereinspräsidentin der Sirnacher Fasnächtler. Bild: zvg
Ein Sicherheitskonzept besteht für die gesamte Fasnacht, so auch für den Umzug. Das 36-seitige Dokument sei von der Kantonspolizei und der Gemeinde abgesegnet. Eine Auflage für Strassenblockaden hätten sie von der Gemeinde keine bekommen. Nebst den Strassensperren mittels Gitter und Verkehrskadetten ist ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz, der mit acht Mitarbeitenden patrouilliert.
Keine pauschale Regel
Wann solche Strassensperren nötig seien, sei schwierig pauschal zu beantworten, sagt Florian Schneider, stellvertretender Kommunikationsleiter der Kantonspolizei St.Gallen. Die Kantonspolizei weise die Veranstaltenden bei Anlässen darauf hin, dass das Befahren eines Festgeländes verunmöglicht werden muss. Welche konkreten Massnahmen dafür eingesetzt werden sollen, ist abhängig von der örtlichen Situation.
Allgemein gilt: Die Veranstaltungssicherheit liegt in der Verantwortung der Organisierenden. Zu den Fasnachtsvereinen bestehe jedoch ein enger Kontakt und eine etablierte Zusammenarbeit, ergänzt Schneider.
Die Verantwortlichen von Lenggenwil und Sirnach verweisen auf die unterschiedliche Verkehrssituation zu Wil. In Lenggenwil führen sechs Zugangsstrassen ins Dorf. Die 66 Fasnachtsgruppen laufen eine Strecke von 700 Metern. Etwas gewundener durchs Dorf führt der Umzug in Sirnach. Doch auch dort ist die Anzahl der Zufahrtsstrassen überschaubar. In Wil führt der Umzug mitten durch das Zentrum, wo sich viele Strassen verzweigen und kreuzen.