Pascal Hangartner züchtet auf dem Familienhof Shropshire-Schafe. Diese sind nicht nur süss, sondern helfen auch fleissig mit auf seiner Christbaumplantage.
Text: Jessy Nzuki, Bilder: Niklas Thalmann. Dieser Text ist am 31.10.2025 erschienen.

Auf Weiden rund um Lanzenneunforn sind die Glocken von Hangartners Shropshire-Schafen zu hören.
Kaum hat Pascal Hangartner den Eimer mit Futterpellets aus dem Kofferraum geholt, erklingen Glocken. Eine kleine Schafherde trottet über die Wiese. Aus allen Richtungen erscheinen die süssen Tiere mit schwarzen Nasen und Beinen.
Es sind Shropshire-Schafe, die Hangartner auf dem Gloggehof in Lanzenneunforn hält. Die Tiere beeilen sich, ihn zu begrüssen und möglichst viele Pellets zu erhaschen. Das sei immer so, sagt der Landwirt. «Vor allem für ein bisschen Futter kommen sie gerne her.» Er steigt über den Zaun und kippt das Futter in die Troge. Ein Gedränge bricht aus. Er muss einige Schafe an den richtigen Ort lotsen.
Die Glocken der Schafe gelten als Markenzeichen des Hofs. Der Name macht dies deutlich. Alle seine Tiere tragen eine. So sind sie leichter zu finden und die Leute freuen sich über den Klang.
Ein Familienprojekt über mehrere Generationen
Pascal Hangartner ist Landwirt und auf dem Gloggehof in Lanzenneunforn aufgewachsen. Schon sein Urgrossvater hat auf dem Hof Landwirtschaft betrieben – damals noch mit Kühen und Ackerbau. Nun führt Hangartner mit seinen Eltern den Familienbetrieb. Hilfe bekommt er dabei von seinen Geschwistern und Freunden. «Es ist ein Familienprojekt, doch wir haben viele Freunde, die ohne Wenn und Aber helfen.»

Pascal Hangartner,
Landwirt des Gloggehof
und Agro-Kaufmann.
Einen beachtlichen Teil der Arbeit macht die Züchtung aus. Besonders der Januar sei ein intensiver Monat, sagt Hangartner. Denn dann gehe es ums Ablammen, die Jungen kommen zur Welt. Auf dem Hof leben 50 Muttertiere. Zu Jahresbeginn verdreifacht sich die Herde, denn die Schafe bringen meist Zwillinge zur Welt. Das sei typisch für Schafe, nicht nur diese Rasse, erklärt der Landwirt.
Dass sich die Arbeit lohnt, zeigte sich an der diesjährigen Rasseschau im aargauischen Brunegg. Hangartners Tiere sind zu Miss, Mister und Jung-Mister erkoren worden. Das sei eine schöne Anerkennung für die Arbeit, die hinter der Zucht steckt, sagt Hangartner. Auch habe es für den Hof einen monetären Nutzen. Denn durch die Auszeichnung erlangen seine Tiere mehr Bekanntschaft und interessierte Käuferinnen und Käufer würden sich eher an ihn wenden.

Peter, Pascal und Tanja Hangartner präsentieren die Siegerschafe der Rassenschau. (Bild: zvg)
Ein Lamm namens Torro
Seit gut 20 Jahren hält die Familie Shropshire-Schafe auf ihrem Hof. Angefangen hat alles mit einem verstossenen Lamm: Torro. Das Tier kam im Winter 2003 zur Welt. Weil seine Mutter es verstossen hatte, suchte der Züchter ein neues Zuhause für das Lamm. Und fand es auf dem Bauernhof in Lanzenneunforn.
Schnell schloss die Familie das Tier ins Herz und erkannte seinen Wert. Denn die Rasse bietet einen einzigartigen Vorteil: Die Shropshire-Schafe essen keine Baumrinde oder Triebe. Das macht sie zu idealen Partnern beim Anbau von Obst- oder Christbäumen. Über den Grund dafür sei man sich nicht ganz einig, sagt Hangartner. Vermutlich liege es an ihrer Genetik.
Ein tierischer Rasenmäher-Service
Die Familie besitzt verschiedene Weideflächen rund um Lanzenneunforn und in den Nachbarsgemeinden. Wenn eine Weide abgegrast ist, kommen die Tiere auf die nächste.
Auch auswärts kommen die Schafe zum Einsatz, quasi als ein tierischer Rasenmäher-Service. Kundinnen und Kunden können eine Schafherde buchen. Da sich die Tiere selbstständig um das Gras kümmern, lohnt sich der Service besonders auf schwer zugänglichen Flächen wie Bauflächen oder zwischen Hochstammobstbäumen.

Süss, flauschig und nützlich – die Shropshire-Schafe.
Auf der Weide nahe dem Gloggehof stehen etwa zwanzig Tiere. Für einen Laien mögen die flauschigen Tiere alle gleich aussehen. Doch Hangartner kann seine Schafe auch aus der Distanz benennen. «Auf unserem Hof haben alle Tiere einen Namen», sagt der Landwirt. Das sei der Familie wichtig.
Sie arbeiten bei den Christbäumen mit
Noch stehen die Tiere auf gewöhnlichen Grasflächen. Ihr grosser Einsatz folgt in wenigen Wochen. Dann bereiten sie die Felder mit den Tannen für den Christbaumverkauf im Dezember vor.

Die wichtigste Aufgabe der Shropshire-Schafe ist es, das Gras zwischen den Christbäumen zu stutzen. (Bild: zvg)
Seit 18 Jahren wachsen Christbäume auf dem Land des Gloggehofes. Angefangen hat es mit ein paar hundert Stück, welche die Familie auf einem schwer erreichbaren Stück Land gepflanzt hat.
Mittlerweile baut Hangartner alle zwei Jahre 500 bis 600 neue Tannen an. Und das ist mit viel Voraussicht verbunden. Denn der klassische Christbaum, eine Nordmannstanne, braucht zehn Jahre, bis er zu Weihnachten in einem Wohnzimmer stehen kann. So muss Hangartner abschätzen, wie viele Tannen er ein Jahrzehnt später verkaufen will – «einen Fünfliber in die Luft geworfen», wie er sagt.
Jingle Bells, Jingle Bells
Am Samichlaustag geht es los. Jeden Samstag im Dezember begrüssen Hangartner und seine Familie Kundinnen und Kunden auf dem Hof, die ihren Christbaum aussuchen oder in der Festwirtschaft die Spezialität des Hofs kosten möchten: Lammfleischburger.
«Wer schon einmal so ein richtig böckeliges Lammfleisch hatte, da kann ich verstehen, dass er nie mehr Lust hat, ein Lammfleisch zu probieren», sagt Hangartner. Doch in der Regel seien alle überrascht. So hätten sie gar Gäste, die keinen Baum brauchen, sondern extra für die Burger kommen.
Die grösste Attraktion machen aber die Schafe aus. Die besonders zahmen der Herde tummeln sich bei der Festwirtschaft, lassen sich streicheln und verbreiten mit ihren Glocken weihnachtlichen Klang.